Ausreden-Fasten

 

Wenn der Deutsche hinfällt, dann steht er nicht auf, sondern schaut, wer schadensersatzpflichtig ist !
(Kurt Tucholsky)

 

 

Fasnacht-Karneval geht an diesem Wochenende in die heiße finale Phase.
Und Ja, ich opfere mich für den Part als Spaßbremse, welche bereits heute schon den Aschermittwoch ins Spiel bringt.
Und zu jedem Aschermittwoch, an welchem angeblich immer alles vorbei ist, ploppt dann auch alle Jahre wieder das Thema Fastenzeit hoch !

 

Ob aus religiösem oder gesundheitsorientierten Hintergrund: viele Menschen praktizieren ab besagtem Mittwoch bis Ostern einen Prozess des Bewusstseins für Ernährung und Körper in welchem Motive wie Reinigung, Entgiftung, Rückbesinnung, Mäßigung oder Disziplin eine Rolle spielen.

 

Ich gebe zu, dass ich als Genussmensch, welcher ganzjährig um eine entspannte gesundheitliche "Sowohl-als-auch-Balance" bemüht ist, mich dem ernährungsmäßigen Fasten noch nie so richtig genähert habe.
Umso mehr fasziniert es mich, die Grundgedanken und Motive des Fastens auch für andere Bereiche des Lebens zu übertragen. Deshalb schicke ich heute eine neue Begrifflichkeit ins Rennen:

 

das Ausreden-Fasten !

 

Das klingt zunächst befremdlicher, als es ist und lässt sich in wenigen, einfachen Schritten angehen:

 

1.
Beobachte mal in den kommenden, beispielsweise in der nun kommenden Fastenzeit, Dich selbst mit Deinen Vorhaben, Gedanken, Ideen und vor allem Deinem Alltag. Hör Dir selber entspannt, freundlich aber gut zu.

 

2.
Wenn Du Dich dabei ertappst, dass Du für Anlässe, Situationen, etwas, dass gerade nicht klappt oder nicht ist, etwas dass Du aufschiebst, wo Du gerade nicht zufrieden bist ....
... einen Umstand oder ein, bzw. mehrere Personen verantwortlich machst oder gar zu verfluchen gedenkst, wie z.B.
keine Zeit, schlechte / unpassende Zeiten
gerade zu wenig Kohle
die Politik, Frau Merkel, "all die da Oben"
die Firma, den Chef, die Kollegen
das Wetter ...

 

Gell, da könnte man so richtig in Fahrt kommen und endlos weiter sammeln, aber wir kommen lieber zu Drittens:

 

3.
Wenn Dir so ein Punkt durch den Kopf geht, schreib ihn auf. Er ist beim Ausreden-Fasten nämlich genau dass, was Alkohol, Zucker, Fett, usw. beim allseits bekannten Fasten sind, nämlich Gift ! Notiere Dir bitte solche Gedankenspiele (egal ob Du einen Zettel mitführst oder auf irgendeiner Funktion Deines Smartphones) und anerkenne, dass auch bei solch inneren Selbstgesprächen die Qualität des Gesprächspartners von entscheidender Bedeutung ist !

 

4.
Du wirst immer Recht haben, so lange Du Recht haben willst ! Egal, welches Thema, welches Alibi oder welche(r) "Schuldige" Dir da in den Sinn kommt. Und ich will Dir diese Alibis oder das Recht-haben auch gar nicht gewaltsam wegnehmen. Ich möchte Dich heute einfach nur anregen, diese eine Frage zu notieren:

 

Will ich Recht haben oder will ich ..... ?

 

Mach Dir nun die Freude und vervollständige den Satz für Dich selbst mit einer Antwort, einem Ziel, einer Lösung oder Handlung, welche sich stimmiger anfühlt als alles, was Da unter 2. vielleicht herumgeisterte und welche vor allem DU initiieren und beeinflussen kannst.

 

Probiere das Spiel des Ausreden-Fastens einfach mal die Tage aus. Vielleicht findest Du ja wirklich so viel Spaß daran, dass Du eine Fastenzeit daraus machst, die gar nicht mehr enden möchte.

 

Und einen gesunden Absacker in dieser Zeit gibt es dann natürlich wieder aufs Haus !